Körperliche Belastung im Job nimmt ab
Wer körperlich schwer arbeitet, zum Beispiel auf der Baustelle, leidet auf Dauer oft unter der Belastung von Knochen und Muskeln. Foto: Adobestock
Eine Untersuchung zeigt, dass viele Beschäftigte heute weniger unter körperlich schwerer Arbeit leiden. Das hat vor allem zwei Gründe.
Weißer oder blauer Kragen? Was diese Frage mit der modernen Arbeitswelt zu tun hat? Eine Menge. Mit den Begriffen White Collar (weißer Kragen) und blue Collar (blauer Kragen) werden Berufsgruppen unterschieden – und zwar nach der Art der Tätigkeit. Findet diese vor allem auf Baustellen, in Werkstätten oder Montagehallen statt, werden sie eher mit dem Blaumann und damit dem blauen Kragen assoziiert. In klassischen Büro-, Studio- oder Atelierjobs trägt man dagegen eher Weiß. Folgt man dieser Klassifizierung, sind die Jobs mit den weißen Kragen weiter auf dem Vormarsch. Körperlich anstrengende Arbeiten werden indes zunehmend von der KI übernommen. Die Bundesanstalt für Arbeitsmedizin und Arbeitsschutz (Baua), hat untersucht, inwieweit die Blue Collar-Jobs aktuell als belastend empfunden werden. Dazu wurden Daten von mehr 17.000 Beschäftigten ausgewertet. Während bei der Befragung 2006 noch 57 Prozent der Beschäftigten angaben, häufig im Stehen zu arbeiten, waren es 2024 nur noch 46 Prozent. Die Forscher werten das als Indiz dafür, dass viele Arbeiten inzwischen körperlich einfacher zu bewältigen sind. Dazu kommt, dass das Betriebliche Gesundheitsmanagement heute eine deutlich größere Rolle spielt. Unternehmen achten verstärkt darauf, ihren Mitarbeitern angenehmere Arbeitsbedingungen zu verschaffen.
51 Prozent der Beschäftigten, die häufig schwer heben und tragen, gaben allerdings auch noch im vergangenen Jahr an, dass sie diese Aufgaben entsprechend belasten. In den Befragungen 2012 und 2018 wurde das sogar noch öfter beklagt, 2006 hatten hingegen nur 44 Prozent hier Probleme benannt.
Ergonomie am Arbeitsplatz ist wichtig
„Diese Ergebnisse verdeutlichen, dass trotz des Rückgangs körperlicher Anforderungen Gesundheitsrisiken weiterhin bestehen“, so die Einschätzung der Baua. Grundlegend für eine gute Arbeitsgestaltung seien regelmäßige Gefährdungsbeurteilungen. Aber auch ergonomische Arbeitsplätze, Tragehilfen und Schulungen zur rückenschonenden Hebetechnik seien wichtig, um langfristige gesundheitliche Schäden zu verhindern. Wer körperlich schwer arbeitet, leidet vor allem unter Erkrankungen des Muskel- und Skelettsystems. Hoher Zeitdruck und generell Stress am Arbeitsplatz erhöhen zudem das Risiko für Herz-Kreislauf-Probleme und psychische Erkrankungen. Das gilt allerdings für Beschäftigte aller Berufe und Branchen.