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Endlich Führungskraft! Und dann?

Neu im Team und neu als Führungskraft? Das kann herausfordernd sein. Foto: Adobestock

Längst hat der Fachkräftemangel auch die Chefetagen erreicht. Doch wer einmal Verantwortung übernommen hat, will häufig weiter aufsteigen – sofern der Einstieg gut gemeistert wurde.

Endlich mal selbst die Ansagen machen? Wer denkt, der Chefsessel wäre das begehrte Ziel der meisten Arbeitnehmer, liegt falsch. Im Gegenteil: Zunehmend klagen Unternehmen auch in der Führungsebene über den Fachkräftemangel. Bereits 2023 gab es nach Recherchen des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln in der Hälfte der für eine entsprechende Untersuchung befragten Betriebe zunehmend Probleme bei der Besetzung offener Stellen mit Führungsverantwortung. Vor allem in kleinen und mittelständischen Firmen scheuen Beschäftigte oft den Schritt zu mehr Verantwortung – oft, weil das Mehr an Geld und Ansehen in keinem guten Verhältnis zu dem erwarteten Aufwand an Zeit und Kraft stehe.

Allerdings ergab die Befragung auch: Vier von zehn Beschäftigte ohne Führungsverantwortung würden gern in der näheren Zukunft im bisherigen Unternehmen weiter aufsteigen. Am schwierigsten ist dabei aus Expertensicht der erste Schritt – also zum Beispiel der Wechsel vom normalen Mitarbeiter in die Position als stellvertretender Teamleiter. Plötzlich mehr zu sagen zu haben als die Kollegen, kann durchaus fordernd sein. Vor allem, wenn es vielleicht auch noch andere Bewerbungen aus dem Team gab. Startet die Karriere als Führungskraft in einem anderen Unternehmen, fällt diese Hürde weg. Dafür gilt es, viele Veränderungen auf einmal zu bewältigen, denn zunächst einmal ist der neue Chef oder die neue Chefin eben vor allem eins: neu.

Erst zuhören, dann führen

Der internationale Personaldienstleister Hays rät dazu, die ersten Tage als Führungskraft gut vorzubereiten. Dazu gehört es, sich im Detail über das Team, die Aufgaben, anstehende Projekte und nicht zuletzt die Unternehmenskultur zu informieren. Geht es im Betrieb eher förmlich oder locker zu? Gibt es regelmäßige Pflichttermine für alle? Wie läuft die Kommunikation im Alltag? Wer diese Fragen schon vor dem Dienstantritt beantworten kann, nimmt etwas Druck aus den aufregenden ersten Tagen. Wer zum ersten Mal beruflich Verantwortung übernimmt, braucht außerdem den Rückhalt der übergeordneten Führungskraft. „Ein offener und ehrlicher Austausch hilft, Missverständnisse zu vermeiden und eine klare Basis für die Zusammenarbeit zu schaffen“, raten die Hays-Experten. Für die Arbeit mit dem eigenen Team kann der Ratschlag „Listen, then lead“ – auf deutsch: „erst zuhören, dann führen“ nützlich sein. Dahinter steht der Anspruch, zunächst die Probleme und Wünsche der Mitarbeiter zu erfragen, bevor die ersten eigenen, womöglich weitreichenden Entscheidungen getroffen werden. Wichtig ist dabei, möglichst neutral zu bleiben und in Fällen unterschiedlicher Sichtweisen alle Seiten anzuhören. Nicht zuletzt wächst Vertrauen durch die gemeinsame Arbeit. Auch wenn es der Job von Führungskräften ist, Aufgaben zu delegieren, sollten Vorgesetzte immer auch selbst wissen, wie die geforderten Abläufe funktionieren.  Praktische Kompetenz ist ein Schlüssel zur Akzeptanz der neuen Rolle.

Ein guter Einstand gehört dazu

Und zwischenmenschlich? Hilft es, zuzugeben, nicht auf jede Frage sofort eine Antwort zu haben. Führungskräfte haben vor allem zu Beginn ihrer Karriere oft einen sehr hohen Anspruch an sich selbst. Der könne dem Erfolg aber eher im Weg stehen, so Arbeitspsychologen. Schließlich sei niemand perfekt. Eine offene Fehlerkultur, zu der es eben auch gehört, dass der Chef ein Versehen zugibt, verbessert die Teamarbeit in der Regel deutlich.

Ganz unabhängig von den Veränderungen in der Arbeitswelt: „Ein guter Einstand gehört dazu“, raten die Personal-Experten von Hays. Zwanglos, mit einem Getränk in der Hand und in lockerer Atmosphäre lasse sich zumindest ein Teil der Anspannung, die ein Führungswechsel für beide Seiten bedeutet, abbauen. Klappt der Einstieg in die Führungsebene gut, werden die nächsten Karriereschritte in der Regel einfacher.  Das hat das Institut der deutschen Wirtschaft ebenfalls herausgefunden. Grundsätzlich, so ein Ergebnis der Untersuchung, wiesen Führungskräfte „in deutlich größerem Umfang als Beschäftigte ohne Führungsverantwortung ein Interesse auf, die Karriereleiter in der näheren Zukunft weiter emporzuklettern“.

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